Zuchwil bleibt Energiestadt

Freuen sich über die neuerliche Zertifizierung: Juliette Vogel Schmid (Energiestadtkoordinatorin), Monika Tschannen (Trägerverein Energiestadt), Patrick Marti (Gemeindepräsident), Christoph Abbühl (Leiter Planung und Bau) (von links) Bild: Reto Frischknecht
Seit über 20 Jahren ist die Gemeinde Zuchwil Energiestadt-zertifiziert. Das Zertifikat wird alle vier Jahre geprüft und erneuert.
Am 23. Oktober fand im Lindensaal die Re-Zertifizierungsfeier statt.

Über 60 Zuchler*innen folgten der Einladung zur Re-Zertifizierungsfeier der Gemeinde Zuchwil und freuten sich gemeinsam mit den Gemeindevertreterinnen über das gute Resultat, das Zuchwil im Re-Audit erreichte: 71,2 Prozent der Kriterien sind erfüllt. Ein ausserordentlich gutes Resultat, wie Monika Tschannen vom Trägerverein Energiestadt in ihrer Laudatio betonte.
«Seit dem letzten Audit hat sich in Zuchwil vieles verändert», blickte Monika Tschannen zurück. Viele neue Gesichter sind in die Gemeindeverwaltung eingezogen – Patrick Marti als Gemeindepräsident, Christoph Abbühl als Leiter der Abteilung Planung und Bau, und im August 2024 stiess Juliette Vogel Schmid als Fachverantwortliche Energie und Umwelt und Energiestadt-Koordinatorin zum Team.
Monika Tschannen fand nur lobende Worte für die Arbeit der Gemeinde Zuchwil in den letzten Jahren. «Eine Gemeinde muss immer wieder von Neuem schauen, was möglich ist. Zuchwil setzt auf Nachhaltigkeit und eine gute Lebensqualität, und die Gemeinde hat auch in schwierigeren Zeiten pragmatisch und mit Bodenhaftung agiert.» So habe sie eine gute Grundlage gelegt, um sich auch als Energiestadt weiter zu entwickeln.

Gestiegene Stromeffizienz
Im Rahmenprogramm referierte Nationalrat Jürg Grossen, Präsident der GLP und des Photovoltaik-Branchenverbands «Swissolar», über das Thema, ob und wie sich die Schweiz CO2-neutral und eigenständig mit erneuerbarer Energie versorgen kann. Obwohl die Schweizer Bevölkerung in den letzten 15 Jahren um 1,5  Millionen Personen zugenommen habe, sei der Energieverbrauch seit 2010 kontinuierlich gesunken. «Das ist überraschend – auch die Tatsache, dass wir heute ungefähr gleich viel Strom verbrauchen wie vor 20 Jahren, und das, obwohl wir deutlich mehr Wärmepumpenheizungen, E-Autos etc. haben.» Der Grund: Die Stromeffizienz sei deutlich gestiegen.
Im Moment bezieht die Schweiz noch rund 68 Prozent der Energie aus dem Ausland (Erdöl, Gas, Uran). Von dieser Abhängigkeit könne sie sich aber in den nächsten Jahren lösen – indem fossile Heizsysteme durch Wärmepumpen ersetzt würden und vermehrt auf E-Fahrzeuge gesetzt werde. «Den Strom können wir zum grössten Teil selber herstellen, indem wir zusätzlich zur Wasserkraft die Photovoltaik ausbauen. «Wir können es schaffen, die fossilen Brennstoffe abzuschaffen und alles mit (erneuerbarem) Strom zu machen», zeigte sich Jürg Grossen überzeugt.

Das Energieportal
David Suter von der Firma Geoimpact stellte daraufhin das neue Energieportal von Zuchwil vor und erläuterte kurz, wie jede*r Hausbesitzer*in auf dem Gemeindegebiet mit wenigen Klicks im Internet erfahren kann, welches Heizsystem sich für seine/ihre Liegenschaft am besten eignet und wie gut das Pozenzial für Solarpanels auf dem Dach ist. «Momentan werden knapp 20 Prozent der Gebäudedächer, die sich für die Gewinnung von Solarenergie eignen würden, auch genutzt», so David Suter.

Wer sich für einen Heizungsersatz oder die Installation einer PV-Anlage interessiert, erhält auf dem Energieportal auch Informationen über Beratungsstellen und die Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Genügend Zeit einplanen
Als dritter Referent erläuterte Energieberater Adrian Tschui von der Firma Enerhaus Engineering die verschiedenen Möglichkeiten, mit erneuerbarer Energie zu heizen, an konkreten Beispielen. Seine dringende Empfehlung: Wenn man sich mit dem Thema befasst, ist es wichtig, sich genügend Zeit für die Planung zu nehmen und vor allem, Gesuche für eine Förderung vor dem Baustart einzureichen. «Gesuche, die erst gestellt werden, wenn man schon mit den Arbeiten begonnen hat, werden hundertprozentig abgewiesen.»

Monika Frischknecht

«Wir stehen heute besser da als vor vier Jahren.»

Was bringt das Label Energie­stadt der Gemeinde? Die ­Energiestadt-Koordinatorin Juliette ­Vogel Schmid gibt Auskunft.

«Am Anfang stand ich dem Label Energiestadt eher skeptisch gegenüber», sagt Juliette Vogel Schmid. «Aber inzwischen sehe ich, welches Potenzial es hat und dass die Gemeinde Zuchwil enorm davon profitieren kann.»  

Mit dem Label Energiestadt haben die Gemeinden eine klare Leitlinie, um den Klimaschutzartikel umzusetzen. Und weil sich alle Gemeinden, die mitmachen, an den selben Kriterien orientieren, können sie ihre Erfahrungen austauschen und von einander profitieren. «Jede Gemeinde geht auf ihre eigene Weise an die Themen heran, aber das Ziel – Netto-Null bis 2050 – ist für alle das selbe.» 

Beim Erfahrungsaustausch an den regelmässigen Treffen komme man auf neue ­Ideen, und es müsse nicht jede Gemeinde das Rad neu erfinden.

Netto-Null 2050 bedeutet, dass spätestens im Jahr 2050 «nur noch so viele Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, wie durch natürliche oder technische Speicher wieder entfernt werden. Natürliche Speicher können beispielsweise Wälder sein. Technische Speicher sind Lösungen, bei denen zum Beispiel aus der Atmosphäre entferntes CO2 im Untergrund dauerhaft gespeichert wird.» (Zitat Bundesamt für Umwelt)

Strengere  Kriterien
Bei der letzten Re-Zertifizierung erhielt die Gemeinde Zuchwil das Gold-Label, nun ist sie «nur» noch Energiestadt. Hat sie sich in den letzten jahren zu wenig um die relevanten Themen gekümmert? «Nein – im Gegenteil», antwortet Juliette Vogel Schmid. «In den letzten Jahren hat Zuchwil Enormes geleistet. Energiestadtmässig stehen wir heute sogar besser da als vor vier Jahren.» Aber die Kriterien zur Verleihung seien verändert und deutlich verschärft worden. Um das Gold-Label zu erhalten, muss eine Gemeinde 75  Punkte erreichen. Mit 71,2  Punkten ist Zuchwil also nah dran. «Das motiviert uns natürlich, in vier Jahren wieder nach Gold zu greifen.»   fri 

Projekte der Energiestadt Zuchwil

Was wurde nun in den letzten Jahren konkret umgesetzt, und was ist in nächster Zukunft geplant? Einige Beispiele:
• Die Energieplanung wurde abgeschlossen, das Energieportal wurde aufgeschaltet.
• Der Wärmeverbund Kenova (früher Kebag) wurde ausgebaut.
• Das städtebauliche Leitbild und das Energie- und Klimaleitbild wurden erarbeitet und vom Gemeinderat verabschiedet. Erste Massnahmen wurden bereits umgesetzt. Auch das gemeindeinterne Mobilitätskonzept soll umgesetzt werden.
• Sämtliche gemeindeeigenen Gebäude (Schulhäuser, Kindergärten, Gemeindehaus etc.) wurden im vergangenen Jahr einer baulichen Zustandskontrolle unterzogen und sollen in den nächsten Jahren nach den Richtlinien der Energiestadt saniert werden.
• Das energiepolitische Massnahmenprogramm 2025-2029 wurde erarbeitet und soll nun umgesetzt werden.
• Die Strassenbeleuchtung wurde und wird kontinuierlich auf LED umgerüstet.
• Auf gemeindeeigenen Flächen, die bisher nicht genutzt werden, soll die Biodiversität gefördert werden. SO!naturnah umfasst alle Flächen, nicht nur die bisher nicht genutzten Flächen. Man kann z.B. durch schonenderes Mähen (Balkenmäher) viele Insekten überleben lassen usw….). Eine erste Analyse wurde bereits gemacht.
• Und nicht zuletzt will die Gemeinde die Kommunikation und den Austausch mit der Bevölkerung weiter intensivieren.

Den Beitrag teilen