«Loslassen ist nicht einfach – aber ich freue mich auf die Zukunft»

Nach 25 Jahren als Heimleiter hat sich Max Oser vom Blumenfeld verabschiedet. Bild fri

25 Jahre lang war Max Oser Heimleiter in der Stiftung Blumenfeld. Nun hat er dieses Amt an seinen Nachfolger Pirmin Graf übergeben; Ende Mai hat er sich von allen, die im Heim wohnen und arbeiten, verabschiedet und ist in Pension gegangen.

Die Begrüssung ist herzlich, man fühlt sich sofort wohl im Büro des Heimleiters. «Möchten Sie einen Kaffee?», fragt Max Oser; und als man bejaht, steht er auf, geht raus und kommt mit einer Tasse Kaffee zurück. Ja, er hat ihn selbst zubereitet, selbst geholt. Nicht einer Assistentin oder Sekretärin den Auftrag gegeben, diese Aufgabe zu übernehmen.
Genau so arbeiten alle in der Stiftung Blumenfeld – jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin kümmert sich von A bis Z um ihre Aufgabe und erledigt alles selbst. Und so ist es auch selbstverständlich, dass der Geschäftsführer den Kaffee für seine Gesprächspartnerin selbst zubereitet und serviert. «Damit erhalten die Mitarbeitenden mehr Kompetenzen – und sie tragen die grössere Verantwortung, als wenn jede Person nur Teilaufgaben übernehmen würde.»
Max Oser war 25 Jahre lang Heimleiter in der Stiftung Blumenfeld. Ende Mai nun ging er nun in Pension. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs, gegen Ende Mai, war er noch im Amt. Ein paar Tage noch, «dann werde ich mich verabschieden, und ich habe mir vorgenommen, nicht mehr an diese meine Wirkungsstätte zurückzukommen.» Ein sauberer Abschluss, von einem Tag auf den anderen quasi von Hundert auf Null. «Genau. Ich will, dass mein Nachfolger ab dem ersten Juni seine Aufgabe 100prozentig übernehmen kann, ohne dass der ‹alte Chef› dauernd vorbeikommt und ihm auf die Finger schaut.»

Zeit für neue Ideen
So ein Abschied nach 25 Jahren ist sicherlich nicht ganz einfach. Wie fühlt sich Max Oser ein paar Tage vor dem grossen Schritt? «Da ist sicher ein Stück Wehmut; ich habe mich 25 Jahre lang für diese Institution eingesetzt, und sie jetzt loszulassen ist sicher nicht ganz einfach.» Aber es sei jetzt Zeit für neue Hände, für neue Ideen, ist er überzeugt. «Ich verlasse das Haus mit einem guten Gefühl, mein Abgang ist gut geplant, ich habe mich auch mental darauf vorbereitet. Wie es weitergeht, wird sich weisen.»
Er freue sich auf die Zeit, die nun vor ihm liegt. Ursprünglich hätten seine Frau (die ebenfalls heuer pensioniert wird) und er im Sinn gehabt, zum Start ihres Ruhestands erst mal eine längere Reise zu unternehmen. Aber wie es so geht, Pläne machen ist das Eine, was dann wirklich passiert, das Andere. So hat sich inzwischen eine andere Priorität ergeben: «Vor fünf Monaten sind wir Gross­eltern geworden, und wenn unsere Schwiegertochter nach der Mutterpause wieder in ihren Beruf einsteigt, werden wir uns in dieser Zeit jeweils um unsere Enkelin Lina kümmern.» Man sieht ihm an, wie sehr er sich auf diese neue Aufgabe freut.
Blicken wir zurück auf die letzten 25 Jahre. Was hat sich verändert in dieser Zeit, was bleibt ihm speziell in Erinnerung? Natürlich Zeit der Pandemie. «Das war sehr intensiv, es gab etliche schwierige Situationen, aber im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass wir die Herausforderung gut gemeistert haben.» Der Teamgeist unter den Mitarbeitenden sei gestärkt worden, und glücklicherweise habe sich die Situation nachher recht schnell erholt. Und: «Dank den Erfahrungen in dieser Zeit haben wir heute ein Pandemiekonzept – sollte wieder etwas Vergleichbares passieren, wäre das Heim gut vorbereitet.»

In Zuchwil aufgewachsen
Und wenn er sich an seine Anfangsjahre im Blumenfeld erinnert? «Mein Vorteil war sicher, dass ich in Zuchwil aufgewachsen bin», erinnert sich Max Oser. So kannte er sich im Dorf bereits aus, und er kannte auch bereits etliche Leute, mit denen er zu tun hatte, von früher. «Das Einvernehmen mit den Gremien, mit denen ich zu tun hatte, war über all die Jahre immer gut», betont der Heimleiter. Der Stiftungsrat habe ihm immer viel Handlungsspielraum gelassen, ihm Wertschätzung und Vertrauen entgegengebracht und ihn unterstützt. «So konnten wir auch schwierige Situationen gemeinsam lösen.»
Natürlich habe sich in diesen 25 Jahren viel verändert. 2001 seien die Leute noch fitter ins Heim eingetreten. Heute können sie dank besseren Betreuungsangeboten – Spitex, Mahlzeitendienst etc. – viel länger in den eigenen vier Wänden bleiben. «Ins Heim kommen sie dann für den allerletzten Lebensabschnitt. So ist es hier ein ständiges Abschiednehmen.» Pro Jahr sterben rund 30 bis 35 Bewohnerinnen und Bewohner. «Damit muss man umgehen können. Es ist immer ein Menschenleben, das da zu Ende geht. Aber der Tod gehört nun mal zum Leben, dessen sollten wir uns immer bewusst sein.» Es berühre ihn jeweils schon, wenn er sich wieder von jemandem verabschieden müsse. «Aber ich habe gelernt loszulassen. Wenn ich nach Hause gehe, lasse ich alles hinter mir. Das ist wichtig, wenn man selbst gesund bleiben will.»
Max Oser kannte jede Bewohnerin, jeden Bewohner persönlich. Beim Eintrittsgespräch war er jeweils dabei, und er legte stets Wert darauf, die Leute täglich zu sehen, kurz mit ihnen zu reden. «Eigentlich rede ich den ganzen Tag» , lacht er. «Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, mit Angehörigen und mit den Angestellten.»
Lieber Max Oser, wir danken Ihnen von Herzen für alles, was Sie in den letzten 25  Jahren geleistet haben, und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft!
Monika Frischknecht

Ein echtes Zuhause

Max Osers grösstes Anliegen war es immer, dass sich die Bewohner*innen wohl fühlen. «Wir bemühen uns, dass das ganze Haus einen Wohlfühlcharakter ausstrahlt.» Das Essen wird in einem schönen Raum innerhalb der Wohngruppe serviert. Die Leute können ihre eigenen Möbel mitnehmen, damit sie ein Stück altes Zuhause bei sich haben. «Ich habe auch schon gehört, dass jemand sagte, es sei ihm noch nie im Leben so gut gegangen wie hier.»
Das Blumenfeld war zudem eines der ersten Heime im Kanton, das eine Aktivierungstherapie anbot – 15 Jahre, bevor sie Pflicht wurde.

Die Meilensteine

In seiner Zeit als Heimleiter hat Max Oser etliche Veränderungen veranlasst.
Im Jahr 2009 wurde die ganze Küche ausgehöhlt und neu eingerichtiet. Über ein halbes Jahr lang wurden die Mahlzeiten in einem Container gekocht.
Ein wichtiger Meilenstein ist die Kurzzeitabteilung in einem Nebengebäude. Hier waren bis 2010 Alterswohnungen, diese wurden durch die neue Überbauung der Bürgergemeinde Zuchwil – westlich der Stiftung Blumenfeld – überflüssig, und im Gebäude wurden 16 Einzelzimmer für Senior*innen eingerichtet, die zum Beispiel in Spitälern oder Rehakliniken waren und noch nicht nach Hause zurück können.
Dass das Gebäude und seine Umgebung möglichst umweltverträglich ist, war Max Oser immer ein grosses Anliegen. So veranlasste er etliche energetische Massnahmen im ganzen Haus, wie Bewegungsmelder fürs Licht oder wasserlose Pissoirs. Zudem wurde 2013 auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert, die heute 15 Prozent des Strombedarfs des Heims abdeckt. Und: Vor rund 15 Jahren setzte sich Max Oser zusammen mit Nachbarsbetrieben aus dem Quartier dafür ein, dass das Blumenfeldquartier an die Fernwärme der kenova angeschlossen wurde. So werden auch die Gebäude der Stiftung Blumenfeld heute mit Fernwärme geheizt.
Bereits 2009 wurde mit dem Küchenumbau in Keller eine Bio Trans-Anlage installiert: Die Speisereiste werden gehäckselt, gesammelt und monatlich in die Carbagas Utzenstorf gebracht, wo sie zu Biogas umgewandelt werden.
Auch die Umgebung der Anlage war Max Oser wichtig. Früher war der Rasen völlig überdüngt, heute werden die Grünflächen extensiv gepflegt, und die Leute freuen sich im Frühling und Sommer über wunderschön blühende Wiesen. Auch der Weiher werde sehr geschätzt, weiss der Heimleiter. Wie die Fische in den Teich gekommen seien, wisse er allerdings nicht. «Sie waren plötzlich da…» fri

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