Reparieren statt wegwerfen

«Reparieren statt wegwerfen» ist für Roger Gunzinger nicht bloss ein Motto, sondern eine Haltung. Bild zvg

Seine Werkstatt im Henzihof ­Solothurn musste er ­aufgeben. Nun hat Roger Gunzinger im ­Widitreff eine neue ­Heimat ­gefunden. Hier flickt er mit ­Begeisterung defekte Möbel – und freut sich über jeden Besuch.

Wer zum Widitreff an der Widistrasse 27 spaziert, hört es vielleicht schon: das Schleifen von Holz, das Klopfen eines Hammers, das leise Surren einer Maschine. Seit Kurzem hat Roger Gunzinger hier seine Holzwerkstatt eingerichtet.
Nach der überraschenden Schliessung der Zwischennutzung im Henzihof in Solothurn per Ende Jahr hat er im Widitreff in Zuchwil eine neue Heimat für sein Handwerk gefunden – und mit ihr neue Perspektiven.

Aufgewachsen im Thurgau, geprägt von einem langen Schulweg entlang einer nebligen Hauptstrasse und von einem Vater, der als unermüdlicher Arbeiter Vorbild war, lernte Roger Gunzinger früh, was Durchhaltewillen bedeutet.
Nach seiner Lehre als Confiseur in St. Gallen arbeitete er in Biel und später als Chef-Patissier in der Lenzerheide. Es folgten Jahre im Aussendienst, unter anderem beim Unternehmen Pierrot Lusso, wo er in Graubünden ein Verkaufsgebiet aufbaute.

Der Weg zum Holz und zu alten Möbeln ergab sich über Umwege. Während der Führung einer Skihütte mit einem Partner fielen zahlreiche Renovationsarbeiten an. Dabei entdeckte er seine Freude am praktischen Arbeiten. Mit der Zeit begann er, alte Möbel zu sammeln, zu reparieren und zu restaurieren. Aus einem Interesse wurde Leidenschaft – und schliesslich eine eigene Werkstatt.

Der Henzihof in Solothurn war für ihn mehr als nur ein Arbeitsort. Die Werkstatt bot Raum zum Tüfteln, Lagern und Arbeiten – vor allem aber für Begegnungen. Spaziergänger blieben stehen, Anwohner brachten Schubladen, wackelige Stühle, Bänkli oder kleine «Schäftli» vorbei. Es wurde geflickt, geschliffen, geleimt – und geredet. Der Ort lebte vom Austausch. Die Kündigung und die unerwartete Schliessung der Zwischennutzung per Ende 2025 trafen ihn deshalb hart.

Umso grösser war die Erleichterung, im Widitreff eine neue Möglichkeit zu finden. Von Anfang an stimmte das Gefühl. Hier kann Roger Gunzinger nicht nur weiterarbeiten, sondern auch Teil eines lebendigen Treffpunkts werden. Er möchte sich einbringen, ein offenes Ohr für die Menschen haben und mithelfen, wo Unterstützung gefragt ist. Seine Werkstatt soll nicht nur Reparaturort sein, sondern auch Begegnungsraum.

Ob ein Schaukelpferd mit fehlendem Griff, eine kaputte Schublade oder eine in die Jahre gekommene Gartenbank – vieles lässt sich retten. «Reparieren statt wegwerfen» ist für ihn nicht bloss ein Motto, sondern eine Haltung. Oft stecke in alten Dingen mehr Herz als in neuen, ist er überzeugt. Und häufig brauche es nur den Mut zum ersten Schritt.

Wer ein Stück mit Geschichte besitzt und ihm eine zweite Chance geben möchte, kann direkt in der Werkstatt im Widitreff vorbeischauen oder telefonisch Kontakt aufnehmen (033 243 33 84). Roger Gunzinger freut sich über Begegnungen, Gespräche – und über jedes Objekt, das weiterleben darf.
Barbara Wyss, Vorstandsmitglied Widitreff

 

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