«Manchmal ist es eine Sisyphusarbeit»

Auch im Wald müssen die Strassen vom Laub befreit werden. Bilder: fri

Seit 27 Jahren arbeitet Hanspeter Sury im Zuchler Werkhof. Als Stellvertretender Leiter Unterhaltsdienst kennt er sich in allen Bereichen bestens aus.

Im Werkhof Zuchwil bestimmen die Jahreszeiten den Alltag. Auch jenen von Hanspeter Sury. In den vergangenen Wochen war es das Laub, das in rauhen Mengen von Bäumen und Sträuchern fiel. Oft ist es eine Sisyphusarbeit: «Manchmal fahre ich mit dem Laubbläser eine Strasse entlang, und im Rückspiegel sehe ich, wie die Blätter wieder zu Boden fallen – es gibt kaum einen Unterschied zum vorherigen Bild», sagt der Werkhofmitarbeiter.
Und doch muss die Arbeit regelmässig gemacht werden. Zu warten, bis alles unten ist, liegt natürlich nicht drin. Die Laubhaufen würden sich türmen, verklumpen, und am Schluss brächte man sie kaum mehr von der Strasse. Und vor allem wäre es gefährlich, weil die Strassen und Trottoirs durch das feuchte Laub rutschig würden.

Der Mann für alle Fälle
Hanspeter Sury ist mit allen Fahrzeugen unterwegs, die dem Werkhof zur Verfügung stehen: Mal mit dem grossen Unimog, mal mit dem kleineren «Kubota» oder dem «Pony». Er sei überall einsetzbar, wo gerade Not am Mann ist, erklärt er. Als Stellvertreter von Swen Schärlig, dem Leiter Unterhaltsdienst, arbeitet er nicht nur draussen. Ist der Chef in den Ferien oder sonstwie verhindert, kümmert sich Hanspeter Sury auch um Administratives, erstellt Arbeitspläne oder nimmt an Sitzungen teil. Sein Einsatzgebiet ist gross und abwechslungsreich.
Ursprünglich habe er Maurer-Vorarbeiter gelernt, erzählt der 56-Jährige. Nach rund zehn Jahren auf dem Bau kam das Aus: «Wegen Umstrukturierung wurde mir gekündigt.» Die Lage auf dem Bau sei damals schwierig gewesen, und so kam das Stelleninserat der Gemeinde Zuchwil, die einen Stellvertreter des Werkhofsleiters suchte, genau richtig. «Ich habe die Stelle bekommen und bin bis heute glücklich in diesem Job. Die Arbeit ist abwechslungsreich, das Team war schon vor 25 Jahren super, und es ist mit allen Veränderungen so geblieben. Ich hoffe, dass ich bis zur Pensionierung hier bleiben kann.»
Zurück zum Laub: Nicht alle Leute verstehen, dass die Werkhofmitarbeiter das Laub auch im Wald von den Wegen blasen. «Spaziergänger, denen ich im Wald begegne, schütteln manchmal den Kopf», lacht Hanspeter Sury. «Aber wenn wir das Laub auf den Waldstrassen liegenlassen würden, gäbe es bald eine Humusschicht, Pflanzen würden sich ansiedeln, und die Strasse würde zuwachsen.»

Futter für die Kenova
Was passiert mit all den Blättern, die von den Strassen und Gehwegen geräumt werden? «Im Wald ist es einfach, da blase ich alles in die Natur.» Das Laub, das er von den Strassen im Dorf räumt, wird hingegen in der Kenova verbrannt. «Das könnten wir nirgends deponieren, da ist zu viel Müll drin: Zigarettenstummel, Plastik – einfach alles, was die Leute auf den Boden werfen.»
Inzwischen hat der Winter Einzug gehalten. Auch wenn in den letzten Jahren weniger Schnee gefallen ist als früher, muss rechtzeitig alles vorbereitet werden. Überall da, wo bei stärkerem Schneefall die Wegränder nicht mehr klar erkennbar sind, hat der Unterhaltsdienst Schneestangen gesteckt. «Schon zehn Zentimeter Schnee reichen, damit die Ränder, oder auch die Strasseninseln, nicht mehr erkennbar sind. Da sind wir beim Schneeräumen auf die Stangen angewiesen.»

Tagwache um halb vier
Um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden zu gewährleisten, gibt es jeweils ab Mitte November bis Mitte März einen Pikettdienst. Dabei wechselt sich Hanspeter Sury mit Swen Schärlig und Patrick Tschumi ab. «Ich stehe dann jeweils um halb vier in der Früh auf und schaue nach draussen. Sind die Strassen trocken, kann ich beruhigt wieder schlafen gehen.» Wenn der Boden aber feucht oder gar nass ist, steigt er in sein Auto und prüft die heiklen Stellen im Dorf, wo es vereist sein könnte. Wenn die Strassen gefroren sind, bietet Hanspeter Sury den Zweiten im Piketteam auf, um zu salzen.
Hanspeter Sury erinnert sich an einen besonders strengen Winter in den Anfangsjahren: An einem Wochenende schneite es ununterbrochen – riesige Mengen Schnee. «Wir arbeiteten über 24 Stunden lang ununterbrochen, ab Samstag Mittag bis am Sonntag am frühen Nachmittag. Das war eine absolute Ausnahmesituation.» Heute wären solche Arbeitszeiten nicht mehr denkbar. Und: Heute gilt der eingeschränkte Winterdienst.


Der Winter ist immer auch die Zeit für Unterhaltsarbeiten. Dann kümmert sich Hanspeter Sury um die Sitzbänke und die rund 30 gemeindeeigenen Festgarnituren. Während andere für die rot lackierten Bänke zuständig sind, nimmt sich Hanspeter Sury alle braun gestrichenen vor – etwa die massiven Raiffeisenbänke, oder jene auf dem Friedhof, vor dem Gemeindehaus und bei den Schulhäusern. Jeweils im Spätherbst beginnt er damit, sie in den Werkhof zu holen. Stück für Stück schleift er sie an, bessert aus, wo es nötig ist oder wechselt auch mal ein morsches Brett ganz aus, dann werden sie neu gestrichen. Rund 75 Bänke wollen gewartet werden. Bis im Frühliing ist alles erledigt, und die Zuchler*innen können sich wieder darauf ausruhen.
Und schon kommt wieder der Frühling, alles grünt und spriesst. Dann heisst es vor allem: Rasen und Gras mähen, Bäume und Sträucher schneiden. Nicht nur im Wohngebiet, auch im Wald ist er oft anzutreffen. «Es ist unglaublich, wie schnell die Schein­akazien und die armenischen Brombeeren wachsen. Würden wir sie nicht regelmässig zurückschneiden, wäre in einer Saison alles zugewachsen.»
Gemeinsam mit Kevin Schaad ist er zudem für den Strassenbau zuständig, wie das Ausbessern des Aarewegs. Auch diese Arbeiten fallen ins Sommerhalbjahr.
Monika Frischknecht

An Waldrändern und an der Emme wird der Strassenrand im Sommer regelmässig gemäht.
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