Zuchwil will Energie verantwortungsvoll nutzen und möglichst kostengünstig sichern. Seit der Energiestadt-Zertifizierung 2004 treibt Zuchwil diese Energiearbeit voran, doch 2025 ging der Gold-Status verloren. Die «Energiestadt Gold»-Schilder bleiben trotzdem stehen: als Ansporn, 2029 wieder Gold zu holen.
Wenn in Zuchwil ein Schulhaus saniert, eine Photovoltaikanlage installiert oder eine Strasse neu geplant wird, geht es um mehr als die Realisierung einzelner Bauprojekte. Hinter vielen dieser Projekte steht eine gemeinsame Frage: Wie geht unsere Gemeinde verantwortungsvoll mit Energie um? Was auf den ersten Blick technisch wirkt, betrifft letztlich uns alle: im Alltag, im Wohnen und im Arbeiten.
In Zuchwil sind die Fortschritte einer aktiven Energiearbeit bereits heute sichtbar. Gebäude werden saniert, Anlagen modernisiert und Angebote, wie das Energieportal, geschaffen. Dahinter steht eine klare und langfristige Planung unserer Gemeinde mit dem Ziel, die Energieversorgung verlässlich, unabhängig und möglichst kostengünstig zu gestalten.
Bei dieser Planung spielt die Auszeichnung «Energiestadt» eine entscheidende Rolle, indem sie Gemeinden Orientierung und Hilfestellung rund um das Thema Energie bietet. Wer nach Zuchwil fährt, sieht es bereits am Ortseingang: Auf den Schildern steht die Auszeichnung «Energiestadt Gold».
Dieser Status wurde bei der letzten Überprüfung im Jahr 2025 nicht mehr erlangt, jedoch hat sich die Gemeinde dazu entschieden, die Schilder vorerst nicht zu ersetzen. Sie sind Zeichen des Engagements und des Ansporns, im Jahr 2029 erneut den Gold-Status zu holen. Aber was bedeutet das?
Was bedeutet das Label?
Das Label «Energiestadt» zeichnet Gemeinden seit 1991 für überdurchschnittliche Anstrengungen in der Energie- und Klimapolitik auf kommunaler Ebene aus. Die Gemeinden werden anhand eines Kriterienkatalogs bewertet und die Zielerreichung alle vier Jahre überprüft. Grundlage bildet ein Massnahmenprogramm, welches gemeinsam mit den Gemeindebehörden erarbeitet und vom Gemeinderat verabschiedet wird.
Dabei wird die Auszeichnung für eine Vielzahl kontinuierlicher, aufeinander abgestimmter Bemühungen in sechs Kernbereichen vergeben. Die Bereiche umfassen die Themen Entwicklungsplanung, gemeindeeigene Gebäude, Ver- und Entsorgung, Mobilität, die interne Organisation sowie die Kommunikation. Diese Bereiche sind verpflichtend. Ein Engagement im siebten Bereich «Klimawandelfolgen» ist freiwillig. Das Label «Energiestadt Gold» ist die höchste Auszeichnung für Städte und Gemeinden, wobei 75 Prozent der Gesamtpunktzahl zu erreichen sind.
Zusätzlich tauschen sich im Rahmen von «Energiestadt» Vertreter*innen der Energiestädte sowie weitere engagierte Städte und Gemeinden aus dem Kanton Solothurn im «Netzwerk Energiestädte» regelmässig aus. Ziel dieses Netzwerks ist es, Erfahrungen zu teilen, bewährte Lösungen weiterzugeben und sich gegenseitig bei der Umsetzung der verschiedenen Anforderungen der Energiearbeit zu unterstützen. Seit über 20 Jahren nutzt die Gemeinde Zuchwil nun das Instrument «Energiestadt», um ihre Energieplanung weiterzuentwickeln. Dabei geht es unter anderem um Energieeffizienz, den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien und eine nachhaltige Gestaltung der Mobilität. Fortschritte werden regelmässig überprüft, Massnahmen angepasst und neue Möglichkeiten abgewogen. Wichtig sind hierfür eine verlässliche Umsetzung, transparente Abläufe und eine klare Ausrichtung. Für dieses langjährige Engagement wurde Zuchwil von 2016 bis 2025 mit dem Label «Energiestadt Gold» ausgezeichnet.
Hoher Energieverbrauch
Grundlage der Zuchwiler Energiepolitik bildet im internationalen Kontext das Pariser Klimaabkommen, auf nationaler und kantonaler Ebene sind dies Konzepte wie die «Energiestrategie 2050» des Bundes oder das «Energiekonzept» des Kantons Solothurn von 2022. Energiepolitik ist dabei ein Zusammenspiel aller Staatsebenen, wobei den Gemeinden eine besonders wichtige Rolle zukommt. Der Energieverbrauch in Städten und Gemeinden ist schweizweit natürlicherweise hoch: Hier wird gelebt, gearbeitet und sich fortbewegt. Wichtige Energieverbraucher sind öffentliche Einrichtungen, Haushalte, Infrastruktur aber auch Verkehr. Gleichzeitig verfügen Städte und Gemeinden über zentrale Steuerungsinstrumente zur Reduktion der Verbräuche und zur Förderung erneuerbarer Energieträger. Sie planen Bauzonen und reglementieren diese, investieren in eigene Liegenschaften, setzen Impulse für die lokale Wirtschaft und nehmen die Bevölkerung durch eine gute Kommunikation mit auf den Weg. Durch diese Stellschrauben konnte der Kanton Solothurn den Einsatz fossiler Brennstoffe im Gebäudebereich seit 2009 deutlich reduzieren. Dennoch ist der Verbrauch für den Kanton Solothurn schweizweit am höchsten.
Vorausschauende Planung
Zuchwil stellt sich diesen Herausforderungen auch in Zukunft. Eine vorausschauende Planung wird hierbei zunehmend wichtiger, um weiterhin eine stabile und kostengünstige Energieversorgung zu gewährleisten. Dass die Ortsschilder weiterhin «Energiestadt Gold» tragen, ist Ausdruck dieses Anspruchs. Fortschritte entstehen dabei als Ergebnis politischer Entscheide, sorgfältiger Planung und durch die Mitwirkung von Bevölkerung und Wirtschaft. Als Paradebeispiel für dieses Zusammenspiel gilt das «Zuchler Energieportal» (SEP), das über mehrere Jahre vorbereitet und 2025 aufgeschaltet wurde. Hauseigentümerinnen erhalten dort einfach und übersichtlich Informationen zu ihrem Gebäude: Wie gross ist das Potenzial für eine Photovoltaikanlage? Welche erneuerbare Heizlösung passt am besten? Welche Fördermöglichkeiten gibt es?
Mit dem Energieportal konnte eine verlässliche Grundlage geschaffen werden, die individuelle Empfehlungen für den Heizungsersatz und für das Anbringen von PV-Anlagen ermöglicht. Gleichzeitig zeigt sich: Ein grosser Teil der Haushalte in Zuchwil nutzt bereits erneuerbare Energien. Mit dem Energieportal nimmt unsere Gemeinde im Bereich Datenqualität schweizweit eine führende Rolle ein.
Konsequente Umsetzung
Auch in Zukunft wird die Entwicklung unserer Gemeinde eng mit Energiefragen verbunden sein. Themen wie Gebäudesanierung, die lokale Energieproduktion und die Klimaanpassung sind Teil davon. Entscheidend bleiben dabei die konsequente Umsetzung und die Weiterführung einer langfristigen Strategie. Es gilt: «Wer heute strategisch plant, schafft Handlungsspielräume für morgen».
Das Thema Energiestadt wird im Zuchler Kurier in drei weiteren Beiträgen vertieft. Ziel dieser Serie ist es, einen verständlichen Einblick in die Aufgaben, Herausforderungen, Ziele und Massnahmen unserer Gemeinde zu geben.
Es lohnt sich also, dranzubleiben und die kommenden Ausgaben aufmerksam zu lesen. In der nächsten Ausgabe stehen die Ziele unserer Energiestadt im Zentrum. Wir zeigen auf, welche langfristige Strategie verfolgt wird und welche Massnahmen umgesetzt werden.
Vanessa Weitzel, Weit&Breitsicht
Weitere Infos finden Sie auf unserer Energiestadt-Webseite: zuchwil.energiestadt-so.ch.