Im Maschinenraum der Transformation

Bei zahlreichen gemeindeeigenen Liegenschaften, wie beim Schulhaus Blumenfeld, besteht dringender Sanierungsbedarf.

Zuchwil hat sich viel vorgenommen im Bereich Energie und Klima. Im letzten Beitrag wurden die zahl­reichen Aktivitäten der Gemeinde vorgestellt.

Doch ambitionierte Ziele und Massnahmenpläne allein reichen nicht aus: Die verschiedenen Handlungsfelder müssen aufeinander abgestimmt, Projekte priorisiert und die verfügbaren Mittel gezielt eingesetzt werden.
Dieser Beitrag wirft einen Blick in den Maschinenraum der Transformation und zeigt, welche Herausforderungen Zuchwil auf dem Weg zu einer energieeffizienten, klimafreundlichen und klimaangepassten Gemeinde meistert.

«Stolpersteine» bringen Glück
Man sagt, Stolpersteine bringen Glück. Bei der Umsetzung komplexer Projekte bedeuten sie aber oft einen Mehraufwand. Zuchwil steht immer wieder vor kleineren oder grösseren Herausforderungen. Umso wichtiger sind eine sorgfältige Priorisierung und eine gute Abstimmung der zahlreichen Massnahmen.
Hilfreich ist dabei das Instrument «Energiestadt», das Zuchwil darin unterstützt, seine Ziele möglichst wirksam, ressourcenschonend und kosteneffizient zu planen und zu verfolgen. Nachfolgend werden ausgewählte Massnahmen aus den sieben Handlungsbereichen des Energiestadt-Labels sowie potenzielle Herausforderungen bei deren Umsetzung erläutert.

1 Entwicklungsplanung und Raumordnung
Die Ortsplanungsrevision gehört zu den umfangreichsten Projekten in Gemeinden, das ist auch in Zuchwil nicht anders. Dabei wird die gesamte kommunale Nutzungsplanung auf Grundlage der kantonalen Richtplanung und des kommunalen Entwicklungskonzepts überarbeitet. Der Prozess ist komplex und bezieht Fachplanerinnen, kantonale Stellen, Behörden, die Bevölkerung sowie Grundeigentümerinnen mit ein. Pläne, Berichte und Stellungnahmen müssen erstellt, geprüft und mehrfach überarbeitet werden. Eine zusätzliche Herausforderung sind die sogenannten Planungsmehrwerte bei Aufzonungen. Dafür sind umfangreiche Berechnungen, rechtliche Abklärungen und eine sorgfältige Kommunikation erforderlich. Nach der öffentlichen Mitwirkung folgen weitere Verfahrensschritte, insbesondere die zweite kantonale Vorprüfung, die öffentliche Planauflage, die Behandlung allfälliger Einsprachen beziehungsweise die Durchführung von Einigungsverhandlungen, der Beschluss des Gemeinderates sowie das kantonale Genehmigungsverfahren. Ein verbindlicher Zeitpunkt für den Abschluss kann deshalb zum heutigen Zeitpunkt noch nicht genannt werden.

2 Kommunale Gebäude und Anlagen
Die im Jahr 2024 in Auftrag gegebene Zustandsanalyse der gemeindeeigenen Gebäude hat deutlich gemacht: Bei zahlreichen Liegenschaften besteht dringender Sanierungsbedarf. Ein Beispiel ist das Schulhaus Blumenfeld. Nach intensiven Diskussionen auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie entschied der Souverän der Gemeindeversammlung vom 22. Juni 2026, dass im Rahmen eines Studienauftrags geklärt werden soll, ob das Schulhaus saniert oder neu erstellt werden soll. Für die Sanierung wird gemäss Grobkostenschätzung mit Investitionen in Höhe von 18 Millionen Franken gerechnet; für einen Neubau solche von 20 bis 23 Millionen. Die Erneuerung aller sanierungsbedürftigen Gemeindegebäude oder Erstellung von Ersatzneubauten ist mit langfristigen und hohen Investitionen verbunden. Gleichzeitig sorgen Überschneidungen mit anderen Bauprojekten wie dem Dreifachkindergarten im Zelgli-Areal dafür, dass die Gemeinde laufend die Dringlichkeit der Umsetzung und die Investitionsplanung abwägen muss.

3 Versorgung & Entsorgung
Invasive Neophyten breiten sich auch in Zuchwil aus. Für ihre fachgerechte Entsorgung stellt die Gemeinde kostenlose Neophytensäcke bereit, die beim Entsorgungshof und im Gemeindesekretariat erhältlich sind. Der Erfolg dieser Massnahme hängt jedoch von der Mithilfe der Bevölkerung ab. Die Pflanzen müssen richtig erkannt und die Säcke genutzt werden. Da bisher keine verlässlichen Daten zur Nutzung vorliegen, lässt sich die Wirkung noch nicht beurteilen. Auch Littering und illegale Abfallablagerungen haben deutlich zugenommen, was die Anforderungen an die Entsorgung durch die Gemeinde erhöht. Generell setzt sich Zuchwil sehr für eine Abfalltrennung ein und bietet der Bevölkerung dementsprechende Entsorgungsmöglichkeiten an.

4 Mobilität
Wenn es um die Förderung der Elektromobilität geht, hat Zuchwil bereits umfassende Grundlagen zum Aufbau eines E-Ladenetzes geschaffen. Aktuell steht die Erarbeitung eines Konzepts im Vordergrund. Darin werden mögliche Standorte aufgezeigt, priorisiert und die Kostenschätzungen für Erstellung und Betrieb des Ladenetzes gemacht. Herausfordernd sind die notwendigen Abstimmungen mit anderen Projekten, mit den verfügbaren finanziellen Mitteln und mit den politischen Prioritäten. Aktuell wird zudem die Zusammenarbeit mit möglichen Investoren geprüft. Ziel bleibt ein langfristiges und stimmiges Gesamtkonzept, das den zukünftigen Bedürfnissen der Gemeinde und ihren Einwohner*innen gerecht wird.

5 Interne Organisation
Die verwaltungsinterne Organisation ist von einer hohen Zahl parallel laufender Projekte geprägt. Diese teilweise sehr komplexen Vorhaben erfordern eine sorgfältige Priorisierung, eine enge Abstimmung mit den politischen Behörden sowie eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen externen Partnerorganisationen. Gleichzeitig stellt die Gewinnung qualifizierter Fachpersonen im heutigen Arbeitsmarkt eine Herausforderung dar. Die Mitarbeitenden der Gemeinde setzen sich mit grossem Engagement dafür ein, die zahlreichen Aufgaben strukturiert, effizient und zuverlässig zu erfüllen.

6 Kommunikation und Kooperation
Um Projekte langfristig erfolgreich zu realisieren, braucht es neben guten Ideen die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Die Gemeinde möchte Zuchwiler*innen für ihre Ziele begeistern. Förderprogramme wie «SO!naturnah» zeigen zum Beispiel, wie einfache Massnahmen auf gemeindeeigenen Grünflächen einen Mehrwert für Natur und Mensch schaffen können. Die Entwicklung von «Mitmachangeboten» für die Bevölkerung ist jedoch anspruchsvoll. Aktionen wie der Umtausch von Neophyten gegen einheimische Pflanzen müssen sorgfältig organisiert und ausreichend kommuniziert werden. Ein Anlass zum Energieportal mit nachgängigem Nutzungszuwachs hat gezeigt: Engagement braucht regelmässig neue Impulse, damit die Wirkung nachhaltig anhält.

7 Klimawandelfolgen
Mit der Teilnahme am Programm «SO!naturnah» setzt sich Zuchwil für mehr Biodiversität und naturnahe Grünflächen ein. Das festgelegte Kostendach lässt kleine Schritte zu, eine sorgfältige Auswahl der Massnahmen ist hierbei sehr wichtig. Die tägliche Arbeit des Unterhaltsdienstes und der beauftragten Gartenbauunternehmen bietet eine gute Möglichkeit, Grünflächen nachhaltig zu pflegen und naturnah weiterzuentwickeln. In Hinblick auf potenzielle Naturgefahren in Zuchwil steht nach der erfolgreichen Renaturierung der Emme heute vor allem die Hitze im Siedlungsraum im Vordergrund. Daher ist die Entsiegelung versiegelter Flächen und deren Begrünung mit kühlenden und schattenspendenden Pflanzen ein wesentliches Anliegen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt «Gärten für Kinder» beim Pisoni-Schulhaus, das Naturerlebnis, Biodiversitätsförderung, Bildung und Hitzeminderung miteinander verbindet.

Der Weg ist das Ziel
Der Weg zu einer energieeffizienten, klimafreundlichen und lebenswerten Gemeinde verläuft keinesfalls geradlinig. Herausforderungen wie finanzielle Mittel, politische Debatten, personelle Ressourcen, Koordination und Zeitmangel erschweren natürlicherweise die Umsetzung von Massnahmen und Projekten.
Die Umsetzung kann vielmehr mit einem verschlungenen Pfad als mit einer geradlinigen Autobahn verglichen werden. Ein Pfad, mit Umwegen, verflochtenen Abzweigungen und Abschnitten, die mehr Zeit und Kraft benötigen als erwartet. Doch gerade diese Wege sind die spannendsten. Sie bieten die Möglichkeit, Neues zu entdecken, Erfahrungen zu sammeln und aus schwierigen Etappen zu lernen.
Jeder bewältigte Stolperstein bringt die Gemeinde ihrem Ziel ein Stück näher. In einem ergänzenden Beitrag zeigen wir, wie Zuchwil mit den bestehenden Herausforderungen umgeht, welche Lösungsansätze verfolgt werden und wie die Gemeinde trotz aller Hürden das Energiestadt-Gold-Label wieder erreichen könnte.
Vanessa Weitzel

Auch das Zelgli-Schulhaus ist in die Jahre gekommen.

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