«Jugend Job Zuchu» will Jugendlichen die Möglichkeit geben, in ihrer Freizeit erste Erfahrungen mit kleineren Arbeitsaufträgen zu machen und sich darüber hinaus auch ein Taschengeld zu verdienen.
Haben Sie einen Garten, und der Rasen sollte schon lange gemäht werden – aber Sie kommen einfach nicht dazu? Wären Sie froh, wenn Sie die lästige Fensterputzerei an jemanden delegieren könnten? Oder gehen Sie in die Ferien und suchen jemanden, der in dieser Zeit ihre Katze füttert oder die Blumen giesst?
In Zuchwil gibts bereits seit rund drei Jahren ein Angebot für genau solche Arbeiten: Die Jugendjobbörse «Jugend Job Zuchu». Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren übernehmen gerne solche Arbeiten, sei es einmalig oder regelmässig. «Ältere Menschen schätzen es beispielsweise, wenn jemand für sie die Einkäufe erledigt, weil sie selber vielleicht nicht mehr so viel Energie haben, alles selber nach Hause zu schleppen», sagt Till Baumann, Projektleiter der Jugendjobbörse. Oder da sei das berufstätige Ehepaar, dem der Garten über den Kopf wächst. Auch wenn jemand Mühe hat im Umgang mit dem neuen Handy und froh ist, wenn ihm jemand die Kniffs und Tricks zeigt, könnte ein kleiner Kurs bei einem Jugendlichen helfen.
Vieles ist möglich
«In den letzten zwei Jahren konnten wir bereits über 60 solcher Jobvermittlungen abwickeln. Manche waren einmalig, andere laufen bis heute. Ich schätze, dass daraus insgesamt über 300 Einzeleinsätze resultierten.» Möglich wäre noch viel mehr – viele Jugendliche würden gerne über Jugend Job Zuchu erste Job-Erfahrungen sammeln. Deshalb will Till Baumann das Angebot noch bekannter machen und Leute, die Hilfe brauchen könnten, dazu animieren, mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Vorstellbar sei beispielsweise auch, dass Geschäftsbetriebe Jugendliche engagieren könnten, dass sie beispielsweise bei einem Tag der offenen Tür beim Auf- und Abbau der Infrastruktur oder an einem Stand mithelfen könnten. «Der Phantasie sind da eigentlich keine Grenzen gesetzt», sagt Till Baumann. «Wenn jemand eine Idee hat und sich nicht sicher ist, ob die Arbeit für einen Jugendjob geeignet ist – einfach nachfragen. Es gibt keine ‹dummen› Ideen. Bei allen Anfragen entscheide ich letztendlich, ob es ‹passt›.»
Tatsächlich gibt es Anfragen, die der Projektleiter ablehnen muss – dann nämlich, wenn es für die Jugendlichen zu gefährlich wäre oder wenn die Arbeit ihrer Gesundheit schaden könnte. Wenn zum Beispiel jemand seine Obstbäume schneiden lassen möchte und einen Jugendlichen engagieren will, der dafür auf eine mehrere Meter hohe Leiter steigen muss, muss Till Baumann ablehnen. Auch wenn bei einem Fest in einer Bar Alkohol ausgeschenkt wird, darf dies nicht von einem Schüler oder einer Schülerin übernommen werden.
Das eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung hat klare Richtlinien, wer welche Arbeiten übernehmen darf. So dürfen Jugendliche ab dem 13. Altersjahr grundsätzlich «leichte Arbeiten» ausführen. Das Maximalgewicht, das Jugendliche tragen dürfen, ist ebenso festgelegt wie die Maschinen die bedient werden dürfen oder mit welchen Chemikalien man in welchem Alter hantieren darf. «Im Zweifelsfall kläre ich alles ab, potenzielle Auftraggeberinnen müssen sich damit nicht beschäftigen», versichert der Jugendjob-Projektleiter.
Verhandeln lernen
Um eine Schülerin oder einen Schüler zu engagieren, nimmt man in jedem Fall erst mit Till Baumann Kontakt auf (siehe Box unten). Er versucht dann, die geeignete Person für den Job zu finden. Das kann ein paar Tage dauern – es empfiehlt sich also, sich möglichst frühzeitig zu melden. «Natürlich kann es auch kurzfristig klappen, aber garantieren können wir nichts.» Vom Zeitpunkt an, an dem Till Baumann jemanden gefunden hat, der den Job übernehmen möchte, ist es am Jugendlichen selber, mit den Auftraggebenden zu verhandeln. «Ich bin die vermittelnde Person, danach sollen die Jugendlichen, wenn möglich, selbstständig den Kontakt zu den Auftraggeberinnen herstellen», betont der Projektleiter.
Wenn nötig, stehe er selbstverständlich beiden Parteien jederzeit unterstützend zur Seite. «Aber die Jugendlichen müssen selber aktiv werden und sich mit den Leuten einig werden.» Das sei ein wichtiger Schritt, ist Till Baumann überzeugt. Zum Einen die Erfahrung, dass sie selbstständig etwas bewirken können, und zum Anderen, mit Erwachsenen zu verhandeln und sich dabei gut zu präsentieren. «Wer als Schülerin oder Schüler bereits diese Erfahrung gemacht hat, profitiert später, wenn es darum geht, sich für eine Lehrstelle zu bewerben.»
Monika Frischknecht
Unkompliziertes Vorgehen
Möchten Sie eine Schülerin oder einen Schüler für engagieren? Das Vorgehen ist unkompliziert: Am besten informieren Sie sich erst mal im Internet, unter www.jugendjobzuchu.ch. Da finden Sie viele Informationen über den Ablauf. Leute, die nicht im Internet unterwegs sind, können auch zum Telefonhörer greifen und Till Baumann direkt anrufen (Tel. 079 152 08 70). «Ich gebe natürlich sehr gerne Auskunft.» Im zweiten Schritt füllen Sie ein Formular aus: Ihre Personalien, welcher Art die Arbeit ist und eventuell besondere Wünsche. Das Formular schicken Sie an Till Baumann, der sich bei einem Erstkontakt immer erst telefonisch bei den Leuten meldet. «Im direkten Kontakt kann ich mir ein genaueres Bild machen, und es ist nachher einfacher, die richtige Person für diesen Job zu finden.»
Mit welchen Kosten muss man rechnen, wenn man jemanden engagiert? Jugend Job Zuchu empfiehlt einen Lohn von 15 Franken pro Stunde. Mehr geht natürlich immer, aber wenn jemand weniger zahlen will, sollte dies auf dem Formular vermerkt werden. Dann können sich die Jugendlichen im Voraus überlegen, ob sie den Job auch für weniger Geld übernehmen wollen.
Zusatzkosten entstehen für die Auftraggebenden keine. Bei einem Arbeitseinsatz bei Privatpersonen genügen die Versicherungen der Jugendlichen. bei Unternehmen ist es anders, aber im Allgemeinen sind diesen die Gepflogenheiten bekannt.
Und falls etwas nicht klappt oder wenn es Unstimmigkeiten gibt? Till Baumann: «Dann können sich beide Seiten an mich wenden, und wir suchen gemeinsam eine Lösung.»
Bisher habe er allerdings die Erfahrung gemacht, dass die allermeisten sehr zufrieden seien – Jugendliche wie Auftraggebende. Viele Jugendliche könnten so zum ersten Mal in ihrem Leben ein eigenes Sackgeld verdienen. «Diese Erfahrung kann ein riesiges Erfolgserlebnis sein.»