Unübersehbar steht sie an der Strasse Richtung Luterbach: die «neue KEBAG», die kenova. In Betrieb ist sie bereits seit ein paar Monaten; im August soll sie nun offiziell eröffnet werden. Projektleiter Markus Juchli freut sich auf viele Besucher*innen.
Die Anlage läuft, aber fertig ist sie deshalb noch lange nicht. «Sie hat noch einige ‹Kinderkrankheiten›, die wir noch beheben müssen. Bei einem solch komplexen Bau ist es kaum möglich, dass alles auf Anhieb funktioniert», sagt Markus Juchli. «Aber die drei wichtigsten Komponenten – Abfallverbrennung, Rauchgasreinigung und Energiegewinnung / Fernwärmeversorgung – funktionieren tadellos. Das ist das Wichtigste.»
Bis im letzten Herbst war Markus Juchli Geschäftsführer der kenova; dieses Amt hat er an seinen Nachfolger Friedrich Studer übergeben und ist jetzt als Projektleiter dafür zuständig, dass einerseits der Neubau komplett abgeschlossen und andererseits das alte Gebäude abgebrochen und die Umgebung wiederhergestellt wird.
«Es war höchste Zeit für die neue Anlage», blickt der Projektleiter auf die letzten Monate zurück. Die alte KEBAG war immerhin 50 Jahre alt, und in den letzten Jahren wurde – im Hinblick auf den Neubau – nur noch so viel in sie investiert, wie für den Weiterbetrieb unbedingt nötig war. Eine der vier Ofenlinien war bereits komplett ausgestiegen, und «wir waren froh, als wir sie endgültig stilllegen konnten.»
Zwei Ofenlinien
Die neue Anlage hat nun nur noch zwei Ofenlinien. «Damit sind wir etwas weniger flexibel als mit der alten Anlage.» Damit dies – etwa bei einem Ausfall einer Linie – nicht zum Problem wird, verfügt die kenova nun über einen wesentlich grösseren «Bunker», also eine Halle, in welcher der Abfall zwischengelagert werden kann, um Schwankungen auszugleichen. Dieser Abfallbunker ist mit 12‘000 Tonnen dreimal so gross wie der alte.
Als Geschäftsführer begleitete Markus Juchli den Neubau von den ersten Schritten bis zum Abschluss respektive bis zur Inbetriebnahme. Vor 14 Jahren, im Jahr 2012, wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt – als erstes musste der richtige Standort für die neue Anlage gefunden werden. Einige Varianten wurden geprüft und verworfen und schliesslich kam man zum Schluss, das Areal direkt neben der bestehenden Anlage eigne sich am besten. Dieses Grundstück gehörte damals der Alpiq Hydro AG, die dort den Kies lagerte, der regelmässig aus der Emme gebaggert wird. Die damalige KEBAG kaufte das Land und die Generalversammlung genehmigte einen Kredit von 493 Millionen Franken (exklusive Teuerung) für eine neue Verbrennungsanlage. Der Spatenstich fand schliesslich Anfang Mai 2020 statt, mitten im Lockdown. «Damals überlegten wir uns, ob wir den Bau besser verschieben würden. Jetzt, im Nachhinein, denke ich, wir haben richtig entschieden», sagt Markus Juchli.
Höhere Stahlpreise
Die Corona-Pandemie hatte auf den Bau der kenova grosse Auswirkungen. Oft gab es Unsicherheiten, ob das benötigte Material überhaupt zur rechten Zeit verfügbar sei. Und wenn ja, wie sich die Preise entwickeln würden. «Zeitweise stiegen die Stahlpreise innert kurzer Zeit auf das Doppelte», erinnert sich der Projektleiter. Zuwarten, bis sie wieder sinken würden, war keine Option: «Das wäre schlussendlich noch teurer geworden.» Immerhin habe man wegen Corona keine Unterbrüche im Bau gehabt – man arbeitete damals ja draussen, da waren die Abstandsregeln einfacher einzuhalten als in einem Gebäude.

Aber nicht nur die Materialbeschaffung gestaltete sich unerwartet schwieriger. Auch mit dem Baugrund mussten Probleme gelöst werden. Für die Abdampfgrube musste an einer Stelle 12 Meter tief in den Boden gegraben werden, und da hatte man Mühe, das Grundwasser fernzuhalten. Bis diese Schwierigkeit gemeistert war, «verlor» man rund ein halbes Jahr.
Diese Schwierigkeiten und Prozessoptimierungen führten zu Zusatzkosten – insgesamt beliefen sich die Kosten schliesslich auf 515 Millionen Franken (exklusive Teuerung).
Nachdem die Anlage vor rund einem Jahr «kalt» in Betrieb genommen worden war – man testete sämtliche Systeme, aber ohne die Verbrennung zu starten –, wurden die Öfen im August 2025 ein erstes Mal eingeheizt. Die alte Anlage wurde schliesslich Mitte Dezember stillgelegt.
«Ich bin dankbar, dass während der Bauzeit keine gravierenden Unfälle passiert sind», blickt Markus Juchli auf die vergangenen Jahre zurück. Immerhin arbeiteten zu Spitzenzeiten rund 500 Personen gleichzeitig auf dieser Baustelle.
Auch der Corona-Pandemie kann der Projektleiter etwas Positives abgewinnen. «Die Vereinfachung gewisser Arbeitsabläufe wurde dank dieser Zeit ganz sicher beschleunigt», ist er überzeugt. «Und, dass an einer Sitzung nicht mehr alle Personen physisch vor Ort sein müssen – dass eine Besprechung heute auch virtuell durchgeführt werden kann, ist für alle ein Segen.»
Monika Frischknecht

Eröffnungstage am 22./23. August
Am Samstag, 22. und Sonntag, 23. August ist die Bevölkerung jeweils von 10 bis 17 Uhr herzlich zu den Eröffnungstagen der kenova eingeladen.
Es sind keine geführten Rundgänge geplant, auf einem gut ausgeschilderten und mit Infotafeln bestückten Rundgang können die Besucherinnen die Anlage frei besichtigen. Und: Selbstverständlich werde auch für das leibliche Wohl der Besucherinnen gesorgt sein, versichert Markus Juchli.
Das genaue Programm steht noch nicht fest. Es wird zu gegebener Zeit im Azeiger veröffentlicht.
«An den Eröffnungstagen wollen wir der Bevölkerung zeigen, was in den letzten Jahren geleistet wurde. Ich denke, alle Beteiligten können stolz sein auf dieses Werk», sagt Markus Juchli. «Zugleich wollen wir uns mit der Veranstaltung auch bei der Bevölkerung für ihr Verständnis bedanken, wenn es während der Bauzeit zu Unannehmlichkeiten wie zum Beispiel Lärmbelästigung kam. Wir spürten immer eine grosse Akzeptanz.»
Bereits einen Tag vorher, am Freitag, 21. August findet eine Eröffnungsfeier für Behörden, Aktionäre und die Firmen, die am Bau beteiligt waren, statt.
